Österreichs Vorzeigeuniversität feiert Geburtstag

Die Rolle, die den Universitäten bei der Weiterentwicklung und damit auch der Absicherung unseres Wohlstandes zukommt, kann im Wesentlichen durch drei Aufgaben beschrieben werden: Lehre, Forschung und Wissenstransfer.

  • Lehre: die Schaffung und Erhaltung des allgemeinen Qualifikationsniveaus des Arbeitskräftepotenzials, um die Produktivität zu steigern. Bildung ist ein zentraler Wachstumstreiber, wobei Investitionen in das Humankapital eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung von neuen Technologien in neue Produkte und Verfahren sind.
  • Forschung: die Schaffung neuen Wissens über neue Technologien, Verfahren und Produkte, um die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu steigern. Überall dort, wo überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung investiert wird, wächst die Wirtschaft schneller und nachhaltiger – denn eine hohe technologische Leistungskraft der Wirtschaft basiert auf Exzellenz in der Wissenschaft. Daher brauchen wir ein gutes Forschungssystem.
  • Wissenstransfer: die Stärkung der Verbreitung und Umsetzung von Grundlagenwissen, um neue Technologien zu übernehmen und produktiv zu nutzen. Forschung hat die Gewinnung neuen Wissens zum Ziel. Innovation übersetzt dieses Wissen in neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.
 Montanuni-Rektor Wilfried Eichlseder, Universitätsratsvorsitzende Landeshauptmann a. D. Waltraud Klasnic und der Winzer des Jubiläums-Weines Gustav Strauss (v.l.) bei der Präsentation des Jubiläums-Programms heute Vormittag in Graz

Montanuni-Rektor Wilfried Eichlseder, Universitätsratsvorsitzende Landeshauptmann a. D. Waltraud Klasnic und der Winzer des Jubiläums-Weines Gustav Strauss (v.l.) bei der Präsentation des Jubiläums-Programms heute Vormittag in Graz

Österreichs Forschungsstandort zeichnet sich dadurch aus, dass ein Großteil der Grundlagenforschung an den Universitäten stattfindet. Damit kommt gerade den Universitäten die Rolle des Wissensgenerators und Wissensvermittlers am Markt wie auch in der Gesellschaft zu. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen benötigen wir umfangreiche Forschung auf verschiedensten Gebieten, ob in der Technik, der Medizin oder in sozialen Bereichen.

 

Die Anfänge der Montanuniversität

Das Wirken der Montanuniversität war von Anfang an geprägt von Forschung, Lehre und der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Der Bergbau und das Hüttenwesen schufen die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung des Alpenraums. Ein wesentlicher Rohstofflieferant war der Erzberg, von dem ausgehend sich sowohl nach Norden als auch nach Süden eisenverarbeitende Betriebe und Handelshäuser ansiedelten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte die industrielle Revolution ein, die auch im Bergbau und Hüttenwesen durch neue Methoden und Maschinen Veränderungen in den technischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Verhältnissen herbeiführte. Um den Veränderungen gerecht zu werden und um mit den Leistungssteigerungen durch die schnelle Entwicklung des Maschinen- und Verkehrswesens Stand zu halten, wurde auf Anregung von Erzherzog Johann durch die Kuratoren des im Jahre 1811 als technische hohe Schule gegründeten Joanneums in Graz der Antrag auf Errichtung einer Lehrkanzel für Eisenhüttenkunde gestellt. Die Lehrkanzel wurde in Vordernberg, dem damals bedeutendsten Ort des alpenländischen Eisenwesens, eingerichtet. Am 4. November 1840 wurde die Lehranstalt offiziell eröffnet. Das Revolutionsjahr 1848 brachte durch die politischen Umwälzungen eine wesentliche Änderung, da der Besuch der k. k. Bergakademie in Schemnitz in Oberungarn durch österreichische Studierende praktisch unmöglich wurde. Dies war auch der Anlass, die k. k. Montanlehranstalt von Vordernberg nach Leoben zu verlegen. Am 2. September 1861 erfolgte die Erhebung zur Bergakademie, mit kaiserlicher Entschließung vom 31. Juli 1904 wurde die Bergakademie in „Montanistische Hochschule“ umbenannt und es wurde ihr das Promotionsrecht verliehen. Seit 1975 heißt die Alma Mater Leobiensis „Montanuniversität Leoben“.

 

Konsequente Weiterentwicklung

Seit der 150-Jahr-Feier im Jahre 1990, dieser Zeitraum wird anlässlich der 175-Jahr-Feier näher betrachtet, hat sich die Montanuniversität konsequent weiterentwickelt. Die Kernkompetenzen entlang der Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung über Metallurgie, Hochleistungswerkstoffe, Prozess- und Produktengineering, Umwelttechnik und Abfallwirtschaft sowie Energietechnik wurden bis zum Recycling ausgebaut, sodass man heute richtiger von einem Wertschöpfungskreislauf als von einer Wertschöpfungskette sprechen kann. Damit erfüllt die Montanuniversität einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen unserer Gesellschaft.

Zur Bearbeitung der neuen Forschungsschwerpunkte und für deren Abbildung in der Lehre wurden seit dem Studienjahr 1990/91 16 neue Institute bzw. Lehrstühle eingerichtet. Somit umfasst die Montanuniversität im Jahre 2015 42 Lehrstühle und vier Institute.

Parallel zu den Forschungsgebieten wurde auch das Lehrangebot an der Montanuniversität ausgebaut. Gab es 1990 zehn Diplomstudien, von denen die meisten heute, wenn auch unter anderen Bezeichnungen oder eingegliedert in andere Studienrichtungen, weitergeführt werden, so sind in den vergangenen 25 Jahren die Studienrichtungen Industrieller Umweltschutz, Entsorgungstechnik und Recycling (1992 eingeführt und 2014 in Industrielle Umweltschutz- und Verfahrenstechnik umbenannt), Angewandte Geowissenschaften (1997), Industrielogistik (2003), Industrielle Energietechnik (2009) und Recyclingtechnik (2014) dazugekommen.

Das Studienjahr 2003/04 brachte einen Umbau der Studienstruktur: Durch die europaweit angestrebte Umstellung auf das sogenannte Bologna-System wurden aus den meisten Diplomstudien Bachelor- und Masterstudien, wobei die Masterstudien weiterhin mit dem Titel „Diplom-Ingenieur“ abschließen. Beibehalten wurde eine Einzigartigkeit der Leobener Studien: Alle Studierenden müssen ein sechsmonatiges Praktikum in einem einschlägigen Unternehmen absolvieren.

Studierten im Jahre 1990 etwa 1.700 Hörer an der Montanuniversität, so ist diese Zahl im Studienjahr 2014/15 auf knapp 4.000 Studierende angewachsen, wobei die Zahl an Studienanfängern mit 737 einen neuen Höchststand erreichte. Seit 1990 stieg auch der Frauenanteil unter den Studierenden auf nunmehr 24 Prozent an. Gesteigert wurde zudem der Anteil an ausländischen Studierenden, dieser beträgt nun 16 Prozent, wobei die internationalen Studierenden aus 77 Nationen kommen.

Nicht unerheblich ist die hohe Zahl der Doktoratsstudierenden, die auch ein Ausdruck für die hohe Forschungsaktivität an der Montanuniversität ist: Im Wintersemester 2014/15 waren 375 Doktoratsstudierende inskribiert.

Seit dem Studienjahr 1997/98 werden auch Universitätslehrgänge, die zum Großteil berufsbegleitend absolviert werden, angeboten. Aktuell sind im Bereich der postgradualen Weiterbildung 16 Universitätslehrgänge eingerichtet, die meistens ergänzende Inhalte zu den Regelstudien bieten. Weiterbildung wird außerdem auch im Rahmen zahlreicher etablierter Konferenzen an der Montanuniversität geboten.

 

Ausbau des Unicampus

Zusätzlicher Raumbedarf für Wissenschaftler, neue Forschungseinrichtungen und gestiegene Hörerzahlen führten in den vergangenen 25 Jahren zu einer räumlichen Vergrößerung der Universität.

Das Peter-Tunner-Gebäude wurde 1990 eröffnet, seit 1988 sind das Technologietransferzentrum Leoben/Außeninstitut sowie eine Reihe von Lehrstühlen in der „Alten Kaserne“ in der Peter-Tunner-Straße 25-27 untergebracht.

2006 wurde das alte Landesgericht zu einem Roh- und Werkstoffzentrum adaptiert, 2007 folgte der Neubau des Impulszentrums für Werkstoffe (IZW). Im Herbst 2009 wurde der generalsanierte Hörsaaltrakt mit dem Erzherzog-Johann-Auditorium wiedereröffnet. Im Frühjahr 2010 siedelte der Bereich Kunststofftechnik in das neue Zentrum für Kunststofftechnik Leoben, 2011 wurde das Impulszentrum für Rohstoffe (IZR) eröffnet. 2015 erfolgte der Spatenstich für das Zentrum am Berg, eine internationale Forschungsstätte für Tunnelbau und Rohstoffgewinnung. Noch im Jubiläumsjahr soll das Rabcewicz-Gebäude generalsaniert werden.

 

Enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Die Montanuniversität Leoben ist seit jeher eng mit Industrie und Wirtschaft verbunden, was sich unter anderem in einem hohen Maß an Drittmitteln ausdrückt. Diese wurden in den letzten 25 Jahren um ein Vielfaches gesteigert und machen im Jahre 2015 etwa 30 Prozent des Gesamtbudgets aus. Zahlreiche Forschungsprojekte werden dadurch erst ermöglicht, was sich u. a. in den zuletzt 557 durch Drittmittel finanzierten Personen ausdrückt (338,2 Vollzeitäquivalente, Stand 31.12.2014), bei einem Personalstand von 1.259 Mitarbeitern (789,2 Vollzeitäquivalente).

Niederschlag findet die Zusammenarbeit mit der Industrie auch in den Comet-Zentren, an denen die Montanuniversität beteiligt ist, wie das MCL, das PCCL, das K1-Met oder das EvoLET. Eingebettet in die Universität sind auch zahlreiche Christian Doppler Labors: Seit 1990 wurden 20 CD-Labors eingerichtet, die häufig die Initialzündung für neue Forschungsbereiche an der Montanuniversität boten.

Um die Kontaktaufnahme, Formulierung von Projekten und Förderanträgen für potenzielle Partner zu erleichtern, wurden 1986 das TTZ und das Außeninstitut eingerichtet.

Die internationale Bedeutung wird auch durch ein 2014 genehmigtes EU-Forschungszentrum, die Knowledge and Innovation Community – KIC für Rohstoffe, unterstrichen.

Unterstützung für Spin-offs gibt es im Zentrum für Angewandte Technologie, dem ZAT, an dem die Montanuniversität neben der Stadt Leoben beteiligt ist. Hier werden Firmengründer von ihrer ersten Phase weg bis zur Etablierung am Markt begleitet. Seit der Eröffnung im Jahre 1999 wurden hier rund 50 Gründer unterstützt.

 

Gerüstet für die Zukunft

Die Montanuniversität hat es sich zum Ziel gesetzt, Beiträge für die Entwicklung unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten, in Wirtschaft oder Forschung, durch Bildung junger Menschen und exzellente wissenschaftliche Leistungen in den ihr angestammten Bereichen, zu leisten. Damit soll die bestmögliche Vorbereitung zur Bewältigung von Aufgabenstellungen geschaffen werden, die sich heute schon abzeichnen oder die unerwartet auftauchen und für deren Bewältigung es noch keinen gängigen Lösungsweg gibt. Was heute schon absehbar bzw. Realität ist, ist die hohe Geschwindigkeit, mit der sich Informationen verbreiten und Werte wandeln.

Die bisherigen 6.000 Jahre der Menschheitsgeschichte waren davon geprägt, dass sich die Werte oder das Wissen der Elterngeneration stark auf die nachfolgende Generation übertragen haben. Heute stimmt dieses Bild nicht mehr. Das Wissen unserer Elterngeneration und deren Wertegerüst sind nicht übertragbar auf die Welt, in der wir derzeit leben – und auf eine Welt, die sich mit noch nie gewohnter Geschwindigkeit verändert. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen benötigen wir umfangreiche Forschung auf verschiedensten Gebieten, ob in der Technik, der Medizin oder in sozialen Bereichen. Die Montanuniversität ist bereit, sich dieser Herausforderung für die kommenden Generationen zu stellen!

 

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Posted by on Mrz 9 2015. Filed under Allgemein, Sonstiges, Veranstaltungen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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